17. Nacht der Jugend 09.11.2014

Ehrengäste 2013:

Rita Medvedeva und Tsirel Kisel

Überlebende der Shoah berichten
Rita Medvedeva       Tsirel Kisel      
 

 

Rita Medvedeva

geboren im Mai 1921

in Korsun-Schewtschenkiwsky, Ukraine

Als Rita Medvedeva zwei Jahre alt war, starb ihre Mutter. Sie lebte bei einer Tante bis sie als Zehnjährige inmitten der UdSSR-weiten Hungersnot mit ihrem Vater nach Rokuvata Station umzog, wo dieser Arbeit gefunden hatte.

 

Als gute und fleißige Schülerin wollte sie zur Universität, doch – vermutlich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft – wurde ihr der Zugang zur Universität verwehrt. Daher immatrikulierte sie sich 1939 am Institut für Lehramt in Drohobytsch. Die jüdische Herkunft war im Pass eingetragen.

 

Zwei Jahre später musste sie dort ins Ghetto. Sie überlebte bei schwerster Arbeit und lernte von einer Leidensgefährtin Polnisch und Deutsch. Als ihr 1943 die Deportation drohte, floh sie vom Sammelplatz, wurde jedoch bald entdeckt und ins Deutsche Reich zur Zwangsarbeit auf einem Bauernhof verschleppt.

 

Nach Kriegsende arbeitete sie als Dolmetscherin im besetzten Deutschland für die  Rote Armee und traf während ihrer Tätigkeit als Übersetzerin für eine sowjetische Kommandantur 1948 ihren künftigen Ehemann, einen Physiker und Mathematiker. Gemeinsam kehrten sie in die Nähe der Ukraine zurück, nach Kursk, damals UdSSR.

 

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1991 entschloss sich Rita Medvedeva zur Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. Nach fast 50 Jahren als Deutschlehrerin in Russland kam sie 1997 verwitwet allein nach Bremen. Hier  unterrichtete in der Jüdischen Gemeinde im Lande Bremen weiter: jüdisch-russische

 

Tsirel Galina Kisel

geboren im August 1923

in Kiew, Ukraine

Als Tsirel Kisel im Juni 1941 in Kiew die Schule abschloss, fielen  die ersten Bomben auf ihre Heimatstadt. Im August 1941 sorgte ihr Vater dafür, dass die Familie nach Marx an der Wolga evakuiert wurde.

 

Dort tauschte sie ihr Kleider gegen Lebensmittel ein. Außerdem arbeitete tagsüber gegen Ausgabe von Brotkarten in einem Militärwerk, abends studierte sie Deutsch an der Fremdsprachen-Hochschule. Ihr Vater Oskar Kisel war deutsch-jüdischer Herkunft und daher hatte sie Bezug zu dieser Sprache. Er musste in die „Arbeitsarmee“ und kehrte 1945 zurück. Das Haus in Kiew lag in Trümmern.

 

Die Familie zog nach Kriegsende nach Lwow/Lwiw, wo Tsirel als Galina Kisel ab 1947 Deutsch unterrichtete und Erzählungen veröffentlichte. 1956 wechselte sie an das Literarische Institut in Moskau und absolvierte dort ihr Studium bis 1962.

 

Mit ihrem Mann nach Sibirien geschickt, fand sie keine Stelle als Journalistin, deshalb wurde sie Deutschlehrerin an der Technischen Hochschule.

 

Später ging sie mit ihrem Mann und zurück nach Kiew, wo dieser 1981 verstarb. In Kiew dolmetschte sie für eine private Firma. Bei deren Insolvenz war sie bereits Rentnerin. Die Rente blieb oft aus.1997 kam Galina Kisel mit ihrer Tochter Anna nach Bremen.

 

Als Mitglied der Europäischen Literarischen Gesellschaft publizierte sie russischsprachige Texte. In der Jüdischen Gemeinde gab sie Sprachunterricht.

 

Heute 90-jährig wünschte sie sich eine Publizierung ihrer Novelle „Vom Schicksal vorherbestimmt?“ in deutscher Sprache, deren Inhalt autobiographische Züge trägt.